Silikonfugen erneuern: Schritt-für-Schritt-Anleitung für Bad und Küche

Kurz gesagt

Eine Silikonfuge erneuerst du in vier Schritten: altes Silikon restlos entfernen, die Fugenflanken reinigen und vollständig trocknen lassen, neues Sanitärsilikon gleichmäßig einspritzen und vor der Hautbildung in einem Zug glätten. Danach braucht die Fuge rund 24 Stunden Ruhe, bevor wieder Wasser darankommt. Für 10 Meter Eckfuge im Bad reicht meist eine 310-ml-Kartusche.

Silikonfugen im Bad halten nicht ewig. Sie sind sogenannte Wartungsfugen: Wasser, Reinigungsmittel, Wärme und Bewegung setzen ihnen ständig zu, und irgendwann reißen sie, lösen sich oder werden schwarz. Die gute Nachricht: Mit dem richtigen Material und etwas Geduld bekommst du eine neue Fuge auch ohne Handwerker sauber hin. Diese Anleitung zeigt jeden Schritt, die typischen Fehler und was du vorher klären solltest.

Wann muss eine Silikonfuge erneuert werden?

Nicht jede verfärbte Fuge muss sofort raus. Erneuern solltest du sie, sobald eines dieser Anzeichen auftritt:

  • Risse oder Löcher: Durch einen Riss gelangt Wasser hinter Wanne, Duschtasse oder Fliesen. Das ist das wichtigste Warnzeichen.
  • Abgelöste Flanken: Lässt sich die Fuge an einer Seite mit dem Fingernagel anheben, haftet sie nicht mehr und dichtet nicht mehr.
  • Schimmel, der nicht weggeht: Schwarze Punkte, die nach gründlicher Reinigung bleiben, sitzen im Silikon selbst. Dann hilft nur Austauschen.
  • Harte, spröde Fuge: Gutes Silikon bleibt gummiartig. Ist es hart geworden, kann es Bewegungen nicht mehr aufnehmen.

Eine leicht gelbliche, aber intakte Fuge kannst du dagegen erst einmal reinigen. Wichtig ist: Silikon auf altes Silikon zu spritzen, funktioniert nicht. Neues Silikon haftet auf altem nicht dauerhaft, die Fuge löst sich nach kurzer Zeit wieder. Eine Fuge wird deshalb immer komplett erneuert, nicht ausgebessert.

Welches Silikon für welche Fuge?

Der häufigste Fehler passiert schon im Baumarkt. Nicht jedes Silikon passt zu jedem Untergrund. Diese Übersicht hilft bei der Auswahl:

Wo?Richtiger DichtstoffWarum
Dusche, Badewanne, WaschbeckenSanitärsilikonWasserfest, dauerelastisch, mit Schimmelschutz
Marmor, Granit, KalksteinNatursteinsilikonVerhindert dunkle Ränder im Stein
Fenster, Metall, Fensterbank außenNeutralsilikonGreift Metall und Kunststoff nicht an
Fugen, die gestrichen werdenAcrylÜberstreichbar, aber nicht für Nassbereiche

Für die klassische Fuge an Dusche und Wanne ist Sanitärsilikon die richtige Wahl. Die meisten Produkte sind acetatvernetzend und riechen beim Aushärten nach Essig. Achte auf die Farbe: Weiß, Transparent, Grau und Jasmin sind gängig, viele Hersteller bieten Farbtöne passend zu üblichen Fliesenfugen an.

Material und Werkzeug

  • Sanitärsilikon in der passenden Farbe. Wie viel du brauchst, rechnet der Kartuschen-Rechner aus.
  • Kartuschenpresse, am besten mit Abtropfstopp, damit nach dem Loslassen nichts nachläuft
  • Cuttermesser oder Fugenmesser und ein Kunststoffschaber
  • Silikonentferner für hartnäckige Reste
  • Spiritus oder Isopropanol zum Entfetten, saubere Tücher
  • Malerkrepp oder spezielles Abklebeband
  • Fugenglätter und Glättmittel oder Wasser mit einem Tropfen Spülmittel

Silikonfugen erneuern: Schritt für Schritt

1. Altes Silikon herausschneiden

Schneide die alte Fuge entlang beider Flanken mit dem Cuttermesser ein und ziehe sie als Strang heraus. Halte die Klinge flach, damit du weder Fliesen noch Acryl- oder Emaillewannen zerkratzt. Bei Acrylwannen ist ein Kunststoffschaber sicherer als Metall.

Altes, verschimmeltes Silikon wird mit einem Fugenmesser am Waschbecken herausgeschnitten
Alte Fugen schneidest du entlang beider Flanken heraus.

2. Reste und Schimmel restlos entfernen

Dünne Silikonreste lassen sich mit dem Schaber abtragen. Was dann noch haftet, weicht Silikonentferner auf. Lass ihn nach Herstellerangabe einwirken und schabe die Reste ab. Anschließend die Flanken mit Spiritus oder Isopropanol entfetten. Hat sich Schimmel bis in die Fliesenfuge gearbeitet, behandle die Stelle jetzt, sonst wächst er unter der neuen Fuge weiter.

3. Fuge vollständig trocknen lassen

Silikon haftet nur auf trockenem Untergrund. Lass die offene Fuge mindestens einige Stunden, besser über Nacht trocknen, und dusche in dieser Zeit nicht. Ein Föhn auf niedriger Stufe kann helfen, ersetzt aber keine ausreichende Trockenzeit.

4. Abkleben

Klebe Fliese und Wannenrand im Abstand der gewünschten Fugenbreite ab, meist sind es wenige Millimeter. Das Band sorgt für gerade Kanten und erspart Putzarbeit. Profis arbeiten oft ohne, für die erste Fuge ist es eine große Hilfe.

5. Badewanne oder Duschwanne belasten

Dieser Schritt wird oft vergessen. Eine Wanne senkt sich unter Gewicht etwas ab. Verfugst du sie leer, wird die neue Fuge beim ersten Baden auf Zug belastet und reißt. Lass die Wanne deshalb voll Wasser laufen und erst nach dem Aushärten ab. Bei der Duschtasse hilft ein Eimer Wasser oder dein eigenes Gewicht, solange du verfugst.

6. Kartusche vorbereiten

Schneide die Kartuschenspitze auf, schraube die Düse auf und kürze sie schräg auf etwa die Fugenbreite. Lieber etwas zu klein beginnen und nachschneiden. Spritze eine kurze Probe auf ein Stück Karton, um ein Gefühl für den Druck zu bekommen.

7. Silikon gleichmäßig einspritzen

Setze die Düse im Winkel von etwa 45 Grad an und führe sie mit gleichmäßigem Druck und Tempo entlang der Fuge. Arbeite abschnittsweise, damit das Silikon nicht schon eine Haut bildet, bevor du glättest. Die Hautbildungszeit liegt je nach Produkt meist bei etwa 5 bis 20 Minuten.

8. Glätten in einem Zug

Sprühe die Fuge leicht mit Glättmittel ein und ziehe sie mit dem Fugenglätter in einem Zug ab. Überschüssiges Silikon streifst du auf einem Tuch ab. Bei Eckfugen entsteht so eine Hohlkehle, an der Wasser gut abläuft. Nicht zu viel Flüssigkeit verwenden: Läuft sie unter das Silikon, haftet es an den Flanken schlechter.

9. Klebeband sofort abziehen

Ziehe das Band direkt nach dem Glätten ab, solange das Silikon noch weich ist. Ziehe flach und vom Silikon weg. Wartest du zu lange, reißt die Haut an der Kante aus.

10. Aushärten lassen

Silikon härtet mit der Luftfeuchtigkeit von außen nach innen aus. Viele Datenblätter nennen eine Durchhärtung von etwa 2 Millimetern pro Tag bei Raumtemperatur. Gut lüften, aber das Bad nicht auskühlen lassen. Wanne erst ablassen, wenn die Fuge fest ist.

Wie lange muss die neue Fuge trocknen?

PhaseTypische DauerWas das für dich heißt
Hautbildungetwa 5 bis 20 MinutenBis dahin glätten, danach nicht mehr anfassen
Oberfläche belastbareinige StundenKein Wasser, nicht wischen
Wieder duschennach rund 24 StundenBei dicken Fugen oder Kälte länger warten
Vollständig durchgehärtetmehrere TageEtwa 2 mm pro Tag, je nach Produkt

Die Werte sind typische Angaben aus Herstellerdatenblättern. Verbindlich ist immer die Angabe auf deiner Kartusche.

Die häufigsten Fehler

  • Neues Silikon auf alte Reste: Die Fuge löst sich nach wenigen Wochen.
  • Feuchter Untergrund: Silikon haftet nicht, Schimmel bildet sich unter der Fuge.
  • Wanne beim Verfugen leer: Die Fuge reißt beim ersten Befüllen.
  • Zu spät geglättet: Die Oberfläche reißt auf und wird wellig.
  • Falsches Material: Acryl in der Dusche oder normales Silikon an Naturstein.
  • Zu früh geduscht: Die weiche Fuge wird ausgewaschen oder verformt.

Was kostet das Erneuern?

Selbst gemacht hält sich der Aufwand in Grenzen: Eine Kartusche Sanitärsilikon kostet je nach Marke grob zwischen 5 und 15 Euro, dazu kommen Silikonentferner, Klebeband und ein Fugenglätter. Werkzeug wie die Kartuschenpresse kannst du immer wieder verwenden. Ein Fachbetrieb rechnet in der Regel pro laufendem Meter ab, oft mit Mindestpauschale und Anfahrt. Die Preise unterscheiden sich regional stark, deshalb lohnt es sich, zwei bis drei Angebote einzuholen.

Mieter oder Vermieter: Wer muss die Fugen erneuern?

In einer Mietwohnung ist die Erneuerung verschlissener Silikonfugen grundsätzlich Sache des Vermieters. Er muss die Wohnung nach § 535 Abs. 1 Satz 2 BGB in einem vertragsgemäßen Zustand erhalten. Eine Kleinreparaturklausel im Mietvertrag ändert daran nicht automatisch etwas: Das Amtsgericht Berlin-Mitte hat entschieden, dass eine Silikonfuge kein Installationsgegenstand für Wasser im Sinne einer solchen Klausel ist (Urteil vom 29.08.2017, Az. 5 C 93/16). Als Mieter musst du einen Mangel wie eine undichte Fuge aber unverzüglich melden (§ 536c BGB), sonst kannst du für Folgeschäden haften. Hast du die Fuge selbst beschädigt, zahlst du.

Das ist eine allgemeine Einordnung, keine Rechtsberatung. Im Einzelfall kommt es auf deinen Mietvertrag an.

Häufige Fragen

Wie oft sollte man Silikonfugen erneuern?

Eine feste Frist gibt es nicht. Entscheidend ist der Zustand: Risse, abgelöste Flanken oder Schimmel im Silikon sind das Signal. Bei viel genutzten Duschen ist das oft nach einigen Jahren der Fall, bei wenig genutzten Bädern deutlich später.

Kann man Silikonfugen teilweise erneuern?

Ja, wenn nur ein Abschnitt beschädigt ist. Schneide den Abschnitt komplett heraus und reinige die Schnittkante gründlich. Der Übergang zwischen alter und neuer Fuge bleibt aber eine Schwachstelle, und der Farbton passt selten exakt. Bei sichtbaren Fugen ist das komplette Erneuern meist die bessere Lösung.

Geht es auch ohne Abkleben?

Ja. Mit etwas Übung und einem guten Fugenglätter gelingen saubere Fugen auch ohne Band. Für die erste Fuge empfehlen wir das Abkleben trotzdem, weil Fehler sonst sichtbar auf Fliese und Wanne landen.

Wie viel Silikon brauche ich?

Bei einer Eckfuge mit 6 × 6 Millimetern ergeben 10 Meter samt Zuschlag knapp 200 Milliliter, also eine Kartusche. Für deine Maße rechnet es der Kartuschen-Rechner genau aus.

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Bildquellen: Beitragsbild: Robert Kneschke / Adobe Stock; Bild zu Schritt 1: Елена Гурова / Adobe Stock