Kurz gesagt
Die Fuge zwischen Badewanne und Fliesen hält nur, wenn die Wanne beim Verfugen mit Wasser gefüllt ist. Eine volle Wanne senkt sich um einige Zehntelmillimeter bis Millimeter ab, und genau diese Bewegung muss die Fuge später mitmachen. Verfugt wird mit fungizidem Sanitärsilikon auf trockenem, fettfreiem Untergrund. Das Wasser bleibt in der Wanne, bis das Silikon durchgehärtet ist, mindestens 24 Stunden.
Die Silikonfuge an der Badewanne ist eine der am häufigsten erneuerten Fugen im Haus. Sie wird regelmäßig nass, bekommt Seife und Shampoo ab und muss jedes Mal nachgeben, wenn sich jemand in die Wanne setzt. Reißt sie ab, läuft Wasser hinter die Wanne, oft lange unbemerkt. Hier erfährst du, wie du die Fuge an der Badewanne richtig erneuerst, warum das Wasser in der Wanne so wichtig ist und was du bei Acryl- und Stahlwannen beachten solltest.
Warum Fugen an der Badewanne so oft reißen
Eine Badewanne ist kein starres Bauteil. Mit 150 bis 200 Litern Wasser und einer Person darin lastet ein Vielfaches ihres Eigengewichts auf den Füßen oder dem Wannenträger. Die Wanne gibt nach, die Wand nicht. Die Fuge dazwischen wird gedehnt. Dazu kommt die Temperatur: Heißes Badewasser dehnt die Wanne, beim Abkühlen zieht sie sich wieder zusammen.
Wie stark die Bewegung ist, hängt von der Wanne ab:
- Acrylwannen sind leicht und flexibel. Sie geben unter Last am stärksten nach und brauchen eine besonders gut ausgeführte Fuge.
- Stahl-Emaille-Wannen sind steifer, bewegen sich aber bei Temperaturwechseln ebenfalls.
- Wannen auf Füßen arbeiten mehr als Wannen, die auf einem festen Wannenträger aus Hartschaum oder Porenbeton stehen.
Eine Silikonfuge kann nur einen Teil ihrer Breite an Bewegung aufnehmen, die zulässige Gesamtverformung. Wird sie öfter und stärker gedehnt, reißt sie an einer Flanke ab. Deshalb ist es entscheidend, die Fuge im belasteten Zustand der Wanne zu ziehen.
Das brauchst du
- Sanitärsilikon in passender Farbe, bei Naturstein-Fliesen Natursteinsilikon
- Kartuschenpresse, Cutter, Kunststoffschaber
- Spiritus oder Reinigungsalkohol, fusselfreie Tücher
- Kreppband
- Fugenglätter und Glättmittel
- Bei tiefen Fugen ein Hinterfüllprofil
Für eine normale Badewanne mit drei Seiten an der Wand reicht eine 310-ml-Kartusche. Bei breiten Fugen hilft der Kartuschen-Rechner.
Badewanne abdichten in sieben Schritten
1. Alte Fuge vollständig entfernen
Schneide die alte Fuge an Fliese und Wannenrand ein und zieh sie heraus. Auf Acryl und Emaille nur mit Kunststoffwerkzeug arbeiten, Metallklingen hinterlassen Kratzer. Reste entfernst du mit einem Schaber und, falls nötig, mit Silikonentferner, den du vorher an einer verdeckten Stelle testest. Die ausführliche Anleitung steht in Silikonreste entfernen.
2. Hinter die Fuge schauen
Ist die Fuge offen, siehst du den Spalt zwischen Wanne und Wand. Bei fachgerecht eingebauten Wannen klebt dort ein Wannendichtband, das die Abdichtung der Wand mit dem Wannenrand verbindet. Ist der Spalt nass, riecht er muffig oder ist das Band beschädigt, hilft eine neue Silikonfuge allein nicht dauerhaft. Dann sollte ein Fachbetrieb die Abdichtung darunter prüfen.
3. Trocknen lassen und entfetten
Lass die offene Fuge mindestens einen Tag trocknen, besser zwei, und lüfte dabei gut. Danach beide Fugenflanken mit Spiritus abwischen. Seifenreste und Kalk sind unsichtbar, verhindern aber die Haftung.
4. Wanne mit Wasser füllen
Jetzt kommt der wichtigste Schritt. Fülle die Badewanne etwa zu zwei Dritteln mit kaltem Wasser. Kalt deshalb, weil warmes Wasser die Wanne ausdehnt und beim Abkühlen wieder Bewegung in die frische Fuge bringt. Außerdem würde Dampf auf den Fliesen kondensieren. Das Wasser bleibt in der Wanne, bis das Silikon ausgehärtet ist.

5. Abkleben und hinterfüllen
Klebe Fliesen und Wannenrand mit Kreppband ab. Ist die Fuge tiefer als etwa 8 mm, drückst du vorher eine Rundschnur hinein. Das Silikon soll nur an Fliese und Wanne haften, nicht am Grund der Fuge. Sonst entsteht eine Dreiflankenhaftung, und die Fuge reißt bei Bewegung.

6. Silikon einbringen und glätten
Spritz das Silikon in einem Zug ein, die Kartuschenspitze leicht in die Fuge gedrückt. Arbeite Seite für Seite, damit du vor der Hautbildung fertig glätten kannst. Mit Glättmittel und Fugenglätter ziehst du die Fuge als Hohlkehle ab, damit Wasser abläuft. Kreppband sofort danach entfernen.
7. Aushärten lassen
Mindestens 24 Stunden warten, bevor du das Wasser ablässt und die Wanne benutzt. Bei breiten Fugen oder kühlem Bad lieber 48 Stunden. Wie lange Silikon unter welchen Bedingungen braucht, steht in Wie lange muss Silikon trocknen?
Wannendichtband und Abdeckprofile: Alternative zur Fuge?
Im Baumarkt gibt es selbstklebende Dichtbänder und Kunststoffprofile, die über die Fuge zwischen Wanne und Fliese geklebt werden. Sie sind schnell angebracht und decken auch breite oder schiefe Fugen ab. Dauerhaft sind sie aber selten eine gute Lösung: Hinter einem Profil kann sich Feuchtigkeit sammeln, die man nicht sieht, und Klebebänder lösen sich in der Nässe mit der Zeit. Als Übergangslösung in einer Mietwohnung oder bis zur Renovierung sind sie in Ordnung. Für eine dauerhaft dichte Wanne ist eine sauber gezogene Silikonfuge besser.
Nicht zu verwechseln sind diese Aufklebe-Bänder mit dem Wannendichtband, das beim Einbau der Wanne unter die Fliesen kommt. Dieses Band ist Teil der eigentlichen Abdichtung und gehört bei einem fachgerechten Einbau dazu.
Typische Fehler beim Abdichten der Badewanne
| Fehler | Folge | Besser |
|---|---|---|
| Wanne leer verfugt | Abriss beim ersten Baden | Wanne zu zwei Dritteln mit kaltem Wasser füllen |
| Warmes Wasser in der Wanne | Bewegung beim Abkühlen, Kondenswasser | Kaltes Wasser verwenden |
| Fuge noch feucht | Schlechte Haftung | Ein bis zwei Tage trocknen lassen |
| Metallklinge auf Acryl | Kratzer im Wannenrand | Kunststoffschaber verwenden |
| Zu dünne Fuge | Reißt bei Bewegung | Ausreichend Material, Hinterfüllung bei tiefen Fugen |
Häufige Fragen
Muss die Badewanne beim Verfugen wirklich voll sein?
Ja, das ist der wichtigste Punkt überhaupt. Ohne Wasser verfugst du die Wanne in ihrer höchsten Position. Beim ersten Baden senkt sie sich ab, und die frische Fuge wird sofort gedehnt.
Wie oft muss die Fuge an der Badewanne erneuert werden?
Das hängt von Nutzung, Lüftung und Pflege ab. Erneuere sie, sobald sie sich an einer Flanke löst, Risse zeigt oder Schimmel ins Silikon gewachsen ist. Wie du das unterscheidest, steht in Schimmel in Silikonfugen entfernen.
Silikon oder Acryl an der Badewanne?
Immer Silikon. Acryl verträgt das Wasser an der Wanne nicht und verschimmelt schnell. Den Unterschied erklärt unser Vergleich Acryl oder Silikon.
Gilt das auch für die Dusche?
Im Prinzip ja, auch die Duschwanne wird vor dem Verfugen belastet. Weil sie flacher ist, nimmt man dafür oft Eimer oder Gewichte. Die Anleitung steht in Silikonfugen in der Dusche abdichten.
Bildquellen: Beitragsbild: Александр Довянский / Adobe Stock; Grafik zu Schritt 4: eigene Grafik silikon.info; Bild zu Schritt 6: kuchina / Adobe Stock
