Kurz gesagt
In der Küche geht es vor allem um drei Fugen: zwischen Arbeitsplatte und Wand, rund um die Spüle und an den Stößen der Arbeitsplatten. Rund um Spüle und Fliesenspiegel nimmst du fungizides Sanitärsilikon, bei Naturstein-Arbeitsplatten Natursteinsilikon. Entscheidend ist eine fettfreie Fuge, denn Küchenfett ist der häufigste Grund, warum Silikon nicht hält. Direkt am Kochfeld gehört in der Regel kein normales Silikon hin.
Küchenfugen sehen harmloser aus als die im Bad, haben es aber in sich. Spritzwasser an der Spüle, Fett und Dampf vom Herd, Krümel, scharfe Reiniger und eine Arbeitsplatte, die bei jeder Belastung minimal nachgibt. Löst sich eine Fuge, läuft Wasser unbemerkt hinter die Platte oder in den Unterschrank, und eine Spanplatte quillt schneller auf, als man denkt. Hier erfährst du, welche Fugen in der Küche abgedichtet werden, welches Material wohin gehört und wie du die Fugen sauber erneuerst.
Diese Fugen gibt es in der Küche
| Fuge | Belastung | Material |
|---|---|---|
| Arbeitsplatte zur Wand oder zum Fliesenspiegel | Spritzwasser, Fett, leichte Bewegung | Sanitärsilikon oder Abschlussleiste |
| Spüle zur Arbeitsplatte | Dauernd Wasser | Sanitärsilikon, oft zusätzlich Dichtband unter dem Rand |
| Stoß zwischen zwei Arbeitsplatten | Wasser von oben, Quellgefahr | Dichtmittel nach Herstellerangabe, oft Silikon im Stoß |
| Naturstein-Arbeitsplatte | Randverfärbung möglich | Natursteinsilikon |
| Kochfeld | Hitze | Dichtband des Herstellers, kein normales Silikon |
Mehr zu den einzelnen Anschlüssen findest du im Verzeichnis unter Küchenarbeitsplatte und Einbauspüle.
Welches Silikon für welche Arbeitsplatte?
Für die meisten Küchen reicht ein gutes Sanitärsilikon mit fungizider Ausrüstung. Es ist wasserfest, hält Reinigungsmittel aus und hemmt Schimmel an der Spüle. Je nach Arbeitsplatte gibt es aber Unterschiede:
- Schichtstoff und Kunststoff: Standard-Sanitärsilikon haftet gut. Die Plattenkante muss rundum versiegelt sein, damit kein Wasser in die Spanplatte zieht.
- Massivholz: Hier ist ein neutralvernetzendes Silikon die sicherere Wahl. Die Holzoberfläche sollte geölt oder lackiert und vollständig trocken sein.
- Granit, Marmor und andere Natursteine: Normales Silikon kann am Rand dunkle Streifen im Stein verursachen, die sogenannte Randzonenverschmutzung. Nimm Natursteinsilikon.
- Edelstahlspüle und Metallteile: Neutralsilikon ist schonender als acetatvernetzendes Silikon, dessen Essigsäure Metall angreifen kann.
Acryl ist für die Küchenarbeitsplatte keine gute Wahl. Es verträgt das ständige Wasser an der Spüle nicht. Wo es passt, erklärt unser Vergleich Acryl oder Silikon.
Fuge zwischen Arbeitsplatte und Wand erneuern
1. Alte Fuge entfernen
Schneide die alte Fuge an beiden Seiten mit einem Cutter ein und zieh sie heraus. Auf Schichtstoff und Holz arbeitest du mit einem Kunststoffschaber, damit die Oberfläche keine Kratzer bekommt. Wie du hartnäckige Reste löst, steht im Ratgeber Silikonreste entfernen.
2. Gründlich entfetten
Das ist in der Küche der wichtigste Schritt. Auf den Fliesen und der Plattenkante liegt fast immer ein feiner Fettfilm, auch wenn man ihn nicht sieht. Wisch beide Fugenflanken erst mit Spülmittelwasser und danach mit Spiritus oder Reinigungsalkohol ab. Anschließend gut trocknen lassen. Auf einem fettigen Untergrund löst sich auch das beste Silikon nach wenigen Wochen.
3. Abkleben
Klebe Fliese und Arbeitsplatte mit Kreppband ab, jeweils einige Millimeter neben der Fuge. Gerade die lange, gut sichtbare Fuge über der Arbeitsplatte wird so schnurgerade. Ist die Fuge tiefer als etwa 8 mm, füllst du sie vorher mit einer Rundschnur aus, einem Hinterfüllprofil.

4. Silikon einspritzen
Spritz das Silikon in einem gleichmäßigen Zug ein. Arbeite in Abschnitten von ein bis zwei Metern, damit du vor der Hautbildung glätten kannst. In Ecken und an Hängeschränken beginnst du am besten außen und arbeitest zur Ecke hin.
5. Glätten und Kreppband abziehen
Mit Glättmittel und Fugenglätter ziehst du die Fuge als leichte Hohlkehle ab. Danach das Kreppband sofort entfernen. Die Arbeitsplatte bleibt mindestens 24 Stunden trocken, Spülen ist frühestens am nächsten Tag drin. Mehr zu den Wartezeiten steht in Wie lange muss Silikon trocknen?

Spüle neu abdichten
Eine Einbauspüle liegt mit ihrem Rand auf der Arbeitsplatte. Darunter sitzt meist ein Dichtband, das der Hersteller mitliefert. Die sichtbare Silikonfuge rundherum ist eine zusätzliche Sicherung. Bevor du nur die Silikonfuge erneuerst, prüfe, ob unter der Spüle Feuchtigkeit ist: Riecht der Unterschrank muffig, ist die Plattenkante aufgequollen oder der Boden fleckig, ist die Dichtung darunter möglicherweise defekt. Dann muss die Spüle ausgebaut und neu eingesetzt werden.
Ist alles trocken, gehst du wie oben vor: alte Fuge raus, entfetten, abkleben, neu verfugen. An der Spüle wird die Fuge besonders schmal und sauber gezogen, damit sich kein Schmutz an einer Kante festsetzt.
Am Herd und Kochfeld
Kochfelder werden in der Regel mit einem Dichtband eingesetzt, das unter dem Rand liegt. Eine zusätzliche Silikonfuge ist meist nicht vorgesehen und kann bei Glaskeramik sogar den späteren Ausbau erschweren. Halte dich an die Einbauanleitung. Wo hinter dem Herd höhere Temperaturen auftreten, etwa an einer Wand direkt neben einem Gaskochfeld, ist normales Silikon ungeeignet. Für solche Stellen gibt es Hochtemperatursilikon, das ist aber die Ausnahme in einer normalen Küche.
Silikon und Lebensmittel
Eine ausgehärtete Silikonfuge an der Wand ist kein Problem. Sie ist aber nicht dafür gedacht, dass Lebensmittel direkt darauf liegen. Schneide nicht auf der Fuge, und verwende Fugen-Silikon nicht, um Behälter oder Geräte abzudichten, die mit Essen in Berührung kommen. Dafür gibt es spezielle Silikone mit Zulassung für den Lebensmittelkontakt.
Alternative: Abschlussleiste statt Silikonfuge
Viele Küchenhersteller bieten Wandabschlussleisten an, die auf die Arbeitsplatte geklebt oder geklemmt werden. Sie decken auch breite oder ungleichmäßige Spalten zur Wand ab, die mit Silikon nicht sauber zu schließen wären. Unter einer Leiste sollte trotzdem eine dünne Silikonraupe liegen, sonst läuft Wasser darunter. Wer lieber eine schlichte Fuge sieht, bleibt beim Silikon, solange der Spalt nicht breiter als etwa 10 mm ist.
Typische Fehler in der Küche
- Nicht entfettet: Das Silikon löst sich an der Fliese, meist zuerst hinter der Spüle.
- Zu breite Fuge mit Silikon gefüllt: Ab etwa 10 mm Spaltbreite besser eine Abschlussleiste.
- Silikon auf altem Silikon: Haftet nicht dauerhaft. Die alte Fuge muss raus.
- Falsches Silikon auf Naturstein: Dunkle Ränder im Stein, die sich kaum entfernen lassen.
- Zu früh gespült: Wasser auf der frischen Fuge wäscht die Oberfläche aus.
Häufige Fragen
Welche Farbe sollte die Silikonfuge in der Küche haben?
Meist passt man sie an die Arbeitsplatte oder an den Fugenmörtel des Fliesenspiegels an. Transparentes Silikon wirkt unauffällig, zeigt aber Schmutz und Verfärbungen schneller. Bei dunklen Arbeitsplatten gibt es Silikon in Grau, Anthrazit oder Schwarz.
Warum wird die Fuge hinter der Spüle schwarz?
Dort steht oft Wasser, dazu kommen Essensreste als Nährboden. Kleine Flecken lassen sich anfangs entfernen. Ist der Schimmel ins Silikon gewachsen, muss die Fuge raus. Was hilft, steht in Schimmel in Silikonfugen entfernen.
Wie viel Silikon brauche ich für eine Küche?
Für eine typische Küchenzeile von drei bis vier Metern mit Spüle reicht meist eine 310-ml-Kartusche. Genauer rechnet es der Kartuschen-Rechner aus.
Kann ich die Küchenfuge nur ausbessern?
Ein kurzes, abgelöstes Stück kannst du herausschneiden und neu verfugen. Die Übergänge bleiben aber sichtbar und sind Schwachstellen. Bei einer sichtbaren Wandfuge lohnt es sich meist, sie komplett zu erneuern. Die allgemeine Anleitung dazu findest du in Silikonfugen erneuern.
Bildquellen: Beitragsbild: M.Dörr & M.Frommherz / Adobe Stock; Grafik Fugenaufbau: eigene Grafik silikon.info; Bild zum Abschnitt Spüle: M.Dörr & M.Frommherz / Adobe Stock